Mein Internationaler Frauentag 2016

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Vor zwei Jahren bin ich am 8. März von einem rechtsabbiegenden Auto zu einer unfreiwilligen Rolle über die Motorhaube ‚eingeladen‘ worden, heute hat mir ein SPD-Kandidat in Mitte an einer roten Ampel eine rote Rose gereicht. Der Morgen hat definitiv besser angefangen als in der Vergangenheit.

Trotzdem macht mich der Frauentag immer ein bisschen nachdenklich und hinterlässt bei mir nicht nur positive Gefühle. Dass es noch viel zu tun gibt in Punkto Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit ist sicher den meisten klar, aber es schadet auch nicht, immer mal wieder daran zu erinnern. Und wie ich es gerade bei Edition F auf Twitter gelesen habe: „Rosen nehmen wir gerne, Wertschätzung aber noch lieber.“ Für mich ist der Internationale Frauentag vor allem eine Einladung, über gesellschaftliche Machtstrukturen und -mechanismen nachzudenken, Aktionsfelder auszumachen, die eigene feministische Position kritisch zu hinterfragen – aber auch die vielen großartigen Frauen in meinem Leben zu feiern. Ich mach das einfach so.

Umso erfreulicher, dass ich den Tag heute mit vielen Freundinnen und anderen interessanten Frauen verbringen durfte. Zur Feier des Tages war ich auch gleich bei zwei Veranstaltungen: einmal an Humboldt Uni und am Abend in der Gründerinnenzentrale.

frauentag HU

„Frauen und Flucht – unterbrochene Bildungswege“

Die Veranstaltung zum Internationalen Frauentag der zentralen Frauenbeauftragten der HU Berlin widmete sich heute dem Thema „Frauen und Flucht – unterbrochene Bildungswege“. Da kam einiges zusammen, und eben nicht nur Problembeschreibungen sondern auch viele gute Gedanken und Beispiele dafür, was einzelne Menschen und Institutionen tun können, um das Ziel zu erreichen, uns von der Willkommens- zur Partizipationskultur weiterzuentwickeln. Und erfreulicherweise machten die Sprecherinnen klar, dass nicht nur Geflüchtete davon profitieren könnten, sondern auch viele der anderen, die sich ‚abgehängt‘ fühlen – um am Ende eben alle, die hier leben. Der Aufruf jetzt die Chance nutzen, etwas zu verändern um allen die Teilhabe zu erleichtern, nicht nur den Geflüchteten, und so Modernisierungschancen wahrzunehmen, ist hoffentlich bei vielen angekommen.

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Die designierte Präsidentin der HU schaute auch vorbei

Die Veranstaltung gestaltet haben Laura Piotrowski von der Amadeu Antonio Stiftung, die Wissenschaftlerinnen Naika Foroutan und Manuela Bojadzijev vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der HU, die engagierte Studentin Didem Vural und mit Arwa Tarani eine geflüchtete Frau, die um Anerkennung ihres Status und ihrer akademischen Leistungen kämpft. Moderiert wurde die Runde von Dr. Ines Kappert (Gunda Werner Institut, Heinrich Boell Stiftung), die selbst Mitinitiatorin der „Wir machen das“-Plattform (link) ist.

Nach vielen guten Gesprächen (und neuen Forschungsideen) habe ich den Abend dann bei der Gründerinnenzentrale verbracht. Die Frauen dort leisten seit zehn Jahren einen Wahnsinnsbeitrag zur Unterstützung von Gründerinnen und solchen Frauen, die noch unschlüssig sind. Das umfangreiche Informationsangebot der Website (link) ist nur ein Teil des Service, der durch persönliche Beratung, Vermittlungstipps an Expertinnen aus dem Netzwerk, Weiterbildungsworkshops und andere Veranstaltungen noch erweitert wird. Bestimmt habe ich noch was vergessen, aber ich bin erst zum zweiten Mal bei einer Veranstaltung dabei (das erste Mal war ein Gründerinnen-Frühstück – was für eine tolle Idee).

In ihrer Rede zur Feier der Tages versicherten zwei der involvierten Frauen, dass sich war die Gründerinnen in den letzten 10 Jahren verändert hätten, die Gründerinnenzentrale aber keinen „Staub angesetzt“ habe sondern am „Puls der Zeit“ geblieben sei.

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Frau Daniel (SenAIF): es gibt im Kampf gegen harte und  anachronistische Strukturen noch viel zu tun

Sabine Daniel von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen (eine der Geld gebenden Institutionen) hat in ihrer wunderbar kurzweiligen Rede sowohl die Erfolge der Gründerinnenzentrale hervorgehoben, aber auch ernste Themen angesprochen. Gerade bei der sozialen Absicherung von Selbständigen seien in den Strukturen oft noch anachronistische Bilder vorhanden und es gebe noch viel zu tun, beim Vorhaben, harte Strukturen aufzuweichen. Auf Frau Daniels Agenda: prekäre Selbständigkeit und auch Prekarisierung im öffentlichen Auftrag, insbesondere in Berlin, angehen. Und die Verstetigung der Gründerinnenzentrale mit dem Ziel von der Abhängigkeit komplizierter Förderinstitutionen wegzukommen.

Antje Ripking machte dann auch nochmal auf den Gender Pay Gap aufmerksam, der uns alle nicht nur im März (Equal Pay Day ist am 19.3.) beschäftigt. Ein immer wieder auftauchender Punkt: schlechte Bezahlung von Berufen, in denen viele Frauen arbeiten, z.B. in der Pflege. „Das Geld ist da – nur an der falschen Stelle.“

Schließlich schlossen die beiden Rednerinnen mit dem Aufruf, einander zu inspirieren und den Rücken zu stärken. Gemeinsam ist einfach mehr möglich als alleine – und die Gründerinnenzentrale und die WeiberWirtschaft (link) sind zwei wunderbare Beispiele dafür.

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Herzlichen Glückwunsch zu 10 Jahren Gründerinnenzentrale

Bei mir ist der Funke definitiv übergesprungen. Ich habe viele interessante Gründerinnen kennengelernt – und wiedergesehen – hatte tolle Gespräche und habe als besondere Überraschung einen Gutschein für eine Beratung zu meinem Geschäftsmodell bei Verena Czerny von Clever Change gewonnen. Für mich ist die Gründerinnenzentrale eine ganz tolle Erfindung und ich werde mich bemühen, das Feuer weiterzutragen!

In diesem Sinne: herzliche Grüße zum Frauentag!

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