Die Berlinerin…

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Gestern in Neukölln entdeckt: die Ausstellung „Die Berlinerin“ von Ashkan Sahihi.

Die Idee dahinter: „die Dynamik Berlins zu erfassen in einer Zeit, in der diese Stadt an der Schwelle eines demografischen Umbruchs steht.“ Dafür hat Künstler Ashkan Sahihi 375 Frauen aus verschiedenen Kiezen, Klasssen und Lebenslagen porträtiert, denn seiner Meinung nach haben Frauen einen immer größeren Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen. Die entstande bunte Mischung kann man noch bis zum 10. Januar in der Galerie im Körnerpark in Neukölln anschauen.

Dass es sie nicht gibt, die Berlinerin, ist ja klar, wird aber auch hier nochmal deutlich. Auch die Kategorisierungen, die Sahihi selbst gewählt hat, wie etwa „Frau mit alternativem Lebensentwurf“, „Unternehmerin“ oder „Tochter aus einer Arbeiterfamilie“, entpuppen sich als nur begrenzt aussagekräftig. Die meisten Frauen passen mühelos in mehrere Kategorien und einige Kategorien könnte man noch hinzufügen – allerdings waren gestern auch nur etwa ein Drittel der Portaits zu sehen, da die Ausstellung in drei Etappen jeweils einen Teil der Werke zeigt.

Das für mich Faszinierendste war ohnehin ein anderer Punkt, nämlich dass es sich bei allen Portraits um Selbstinszenierungen handelt! Raum, Hintergrund, Kleidung, Position, Gesten und ‚Requisiten‘ – alles haben die Frauen selbst ausgewählt. Das lädt natürlich zum Interpretieren und Mutmaßen ein und ich habe mich gefragt, wie ich mich wohl inszeniert hätte.

In jeder Gruppe finden sich Frauen, die ihr zu Hause (nicht) zeigen wollen, die sich stolz mit ihrer Arbeit identifizieren und ablichten lassen und die Statusymbole mit aufs Bild holen – vom gefüllten Bücherregal über Schmuck und Ölgemälde bis hin zum iPhone. Und gleichzeitig widersetzen sich die Inszenierungen Verallgemeinerungen entlang der Kategorien, in denen sie sortiert sind.

Spannend auch die Kommentare auf dem Fragebogen, den jede der Porträtierten mehr oder weniger ausführlich ausgefüllt hat, insbesondere bei den Fragen nach „Das Leben und ich“ und „Berlin und ich“. Wobei das Leben (in Berlin) erstaunlich oft entweder als ein ewiger Kampf oder eine unendliche Liebesgeschichte bezeichnet wird. Die Berliner Rhetorik hinterlässt eben auch ihre Spuren…

Zwischendrin habe ich mich dabei ertappt, die Fotos danach zu bewerten, ob sie – meinem Empfinden nach – gut gelungen sind oder nicht. Ich denke, dadurch verpasst man eine ganze Menge… Wenn man es dann aber schafft, das eigene Werten mal abzustellen, kann man einen spannenden Ausschnitt aus dem Berliner Leben 2015 entdecken.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10.1.2016 in der Galerie im Körnerpark, Schierker Straße 8, Berlin-Neukölln zu sehen und zwar immer Dienstag – Sonntag von 10 bis 20 Uhr.

Der Eintritt ist frei, aber die Galerie freut sich über eine kleine Unterstützung, um ihre großartige Arbeit auch in Zukunft fortführen zu können.

Link  zur Website der Ausstellungen im Körnerpark. Es lohnt sich, immer mal wieder einen Blick darauf zu werfen (im Sommer gibt es auch tolle Konzerte!)

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