Universitätssammlung mal anders

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Dieses Mal habe ich es ins Tieranatomische Theater der HU geschafft, bevor die Ausstellung vorbei war! In „On the Edge – Artists in Dialogue with Humboldt University Collections” stellen sieben Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und Großbritannien ihr Zugänge zu Objekten aus Sammlungen der HU aus. Dabei nähern sich Annie Cattrell, Simon Faithfull, Agnes Meyer-Brandis, Lucy Powell, Andrea Roe, Nicole Schuck und Wolf von Kries auf ganz unterschiedliche Weise Objekten wie Tiefseemonstern, Blattskeletten und Bandwürmern.

Besonders war auf jeden Fall, mal so ganz ohne jeden Begleittext oder Titel an die Exponate heranzugehen und sich zu fragen, was davon das Sammlungsstück, was die künstlerische Kreation und was die Gedanken dahinter waren. Und um ehrlich zu sein: mehr als einmal war ich völlig ratlos. Da man am Eingang ein Heftchen mit Erläuterungen in die Hand gedrückt bekam, konnte man für jeden Raum selbst wählen, wie viel oder wenig man vorab wissen wollte. Beim Bandwurm fand ich den unkommentierten Zugang spannender als den „Informierten Blick“, bei den Blättern und Körperbildern genau umgekehrt.

Die Ausstellungsstücke von Nicole Schuck fand ich besonders gelungen, weil sie sich mit der Produktion von Wissen beschäftigen oder wie es das Begleitbuch ausdrückt: „inwiefern die Übertragung von Wissen durch visuelle Mittel zu unserem sich wandelnden Verständnis von der Welt beiträgt.“ So werden dort z.B. Überlieferungen von „Monstern“  und Zeichnungen von Tiefseefischen in Verbindung gesetzt und alte Karten und Erdmodelle dienen als Ausgangspunkt für ein ganz neues Kartenexponat.

Neben den Kunstwerken waren aber auch die Sammlungsstücke ästhetisch ansprechend – die alten Schriften, Nummern und Gefäße waren (nicht nur wie) aus einer anderen Zeit und hatten ihren ganz eigenen Charme.

Für mich persönlich waren die Ausstellungsbeiträge am interessantesten, die auch ohne Erklärung für sich stehen konnten. Ein besonderer Blick, ein besonderer Ausschnitt, ein humoriger Umgang mit wissenschaftlichen Prozeduren und Untersuchungsgegenständen – da war viel Schönes dabei. Ich glaube, zu zweit hätte mir die Ausstellung noch ein bisschen mehr Spaß gemacht, denn dann hätten wir zusammen absurde Theorien entwickeln und diskutieren können. Einige der Erklärungen im Begleitheftchen waren sicher nicht ‚kreativ‘.

Alles in allem fand ich die Ausstellung sehr nett und in Teilen (auch erfreulicherweise) ganz anders als erwartet – ich hatte mehr in Richtung Arbeit mit Materialen und Formen und weniger Metaebene erwartet. Während mich die Objekte und ‚Dialogergebnisse‘ nicht so richtig langanhaltend gefesselt haben, so hat mir die Idee zur Ausstellung aber trotzdem sehr gut gefallen. Und das Tieranatomische Theater ist einfach auch ein ganz besonderer Ort, der immer wieder eine Reise wert ist.

Am Sonntag, den 13.9.2015 ist die letzte Gelegenheit „On the Edge“ im TAT anzuschauen (link zur website).

Das nächste Experiment steht aber auch schon bevor: am 17.9. findet die Uraufführung von „Sinus“ von Jan-Peter E. R. Sonntag. Sicher ein Klangexperiment der besonderen Art. Infos hier: (link zur Aufführungsinformation).

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