Literaturagentinnen und ihre Mission: ein Abend bei den Berliner BücherFrauen

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Literaturagentinnen und ihre Mission: ein Abend bei den Berliner BücherFrauen

Am Mittwochabend luden die Berliner BücherFrauen ins Kaminzimmer des Literaturhauses in der Fasanenstraße ein. Gerlinde Moorkamp von der Literarischen Agentur Silke Weniger (München) und Saskia von Hoegen, die in Berlin ihre eigene Literarische Agentur Saskia von Hoegen führt, diskutierten mit der Moderatorin Marlies Michaelis und dem Publikum über die Aufgaben in einer Literaturagentur, Herausforderungen bei der Arbeit und besondere Glücksmomente.

Beide Frauen gewährten uns einen wirklich ausführlichen Einblick in ihre Arbeit. Während es so etwas wie einen Arbeitsalltag nicht zu geben scheint und die Abwechslung sehr spannend sein kann, erwähnten beide aber auch die harte Realität, das anfängliche „Klinkenputzen“ und die Vorleistungen, die sie als Agentinnen leisten müssen, denn sie arbeiten für eine Erfolgsbeteiligung. Ich fand es persönlich sehr sympathisch, dass beide Frauen auch überraschend ehrlich über Geld und Anfängerfehler Auskunft gaben. Wirklich eine tolle Sache, diese BücherFrauen-Abende.

Im Laufe des Abends wurde über das Besondere an der Arbeit mit Jugendbüchern und Übersetzungen gesprochen aber auch ganz Handfestes erklärt, beispielsweise wie die Verträge zwischen Autor*innen und Agenturen gestrickt sind. Und wie Autorinnen und Autoren Agenturen finden und sich dann für eine entscheiden.

Beide Agentinnen stellten auch mehrfach klar: Agenturen sind für die Vermittlung zuständig, nicht die „Veredlung“. Natürlich nehmen Sie den Verlagen einen Teil der Arbeit ab, in dem Sie Vorauswahlen treffen und den Autorinnen und Autoren grobe Hinweise zur Verbesserung geben – oder auch den Tipp, sich professionelle Hilfe zu suchen. So ist das Buch, das sie den Verlagen anbieten, dann schon sehr weit fortgeschritten in der Textarbeit – lektorieren können die Agentinnen nicht auch noch. Gleichzeitig wurde aber auch über Umstrukturierungen in Verlagen gesprochen und die Beobachtung, dass Lektor*innen in einigen Fällen durch die viele Vorarbeit zu Manuskriptmanagerinnen und –managern werden.

Das Lesen (und Bewerten) mache einen Großteil der Agenturarbeit aus, stellten Frau von Hoegen und Frau Moorkamp klar, und schickten gleich hinterher, dass das Lesen oftmals nicht in der Arbeitszeit sondern vor allem unterwegs in Bus und Bahn stattfindet. Ein Indiz für einen besonders guten Text? “Wenn man dann eine Station zu weit fährt oder ganz woanders ankommt, dann ist es ein gutes Manuskript,“ teilte Frau Moorkamp eine ihrer Erfahrungen mit uns.

Zum Thema eBooks lag der Schwerpunkt der Diskussion auf Autorinnen und Autoren, die bisher im Selbstverlag unterwegs waren. Dabei klang durch, dass das sich Verhältnis zu solchen Schriftsteller*innen und die Arbeit mit ihnen eher schwierig gestaltet. Der bereits erreichte ökonomische Erfolg steht dann doch von Zeit zu Zeit der Annahme von konstruktiver Kritik im Weg und Frau Moorkamp sprach davon, sie habe den Eindruck, bisher selbstverlegte Autor*innen haben weniger Vertrauen in Agenturen. Andererseits habe ihre Erfahrung auch gezeigt, dass die Mehrzahl der „selfpublished authors“ dann doch auch von einem eigenen gedruckten Buch träumt – und auf dem Weg dahin können Agenturen eine große Hilfe sein. Die Frage danach, ob Online-Plattformen die Vermittlungsarbeit über kurz oder lang ersetzen könnten, wurde mit dem Hinweis darauf skeptisch beantwortet, dass solche Plattformen keine Qualitätskontrolle durchführen können und die Verlage den Mehraufwand, den eine Auswahl aus den vielen Angeboten solcher Seiten bedeuten würde, heute nicht mehr leisten können oder wollen.

Auch den kritischen und verkaufsorientierten Marketingabteilungen wurde am Abend eine Frage gewidmet. Die Angst, dass ein besonderes, ungewöhnliches Buchprojekt auf den letzten Metern an der Verkaufsabteilung scheitern könnte, ging auch im Publikum um. Die Antworten der beiden Panellistinnen kamen angenehm pragmatisch rüber. Man müsse das Projekt nun mal verkaufen: im ersten Schritt verkauft es die Autorin oder der Autor an die Agentur, die Agentur an den Verlag und die Lektorin wiederum an die Marketingabteilung, bevor irgendwann daran zu denken ist, dass das Buch auch an Buchhandlungen und Leserinnen und Leser verkauft werden kann. Die Agenturen arbeiten den Lektor*innen natürlich zu, wurde uns versichert, um die Chancen für das jeweilige Buch zu erhöhen. Trotzdem könne es manchmal sehr lange dauern, bis man das fertige Buch dann in der Hand halten und im Buchhandel kaufen kann.

“Was gerade aktuell und gewollt ist, ist und bleibt ein Rätsel. Da steckt man nicht drin,” gab Frau Moorkamp zu. Man müsse als Agentin selbst dahinter stehen und an das Buch glauben, waren sich beide Agentinnen einig. Der berühmte Funke muss überspringen – und schließlich braucht man gute Kontakte und umfassende Kenntnisse der Verlagsprogramme, um die richtigen Ansprechpartner zu finden. Dann steht immer noch ein Haufen Knochenarbeit bevor, ehe man dann hoffentlich glücklich und stolz das fertige Buch in den Händen halten darf.

Von dieser Freude, die einen überfällt, wenn das Buch dann fertig ist, konnte man sich an diesem Abend leicht anstecken lassen.

Wer Lust auf mehr bekommen hat: die nächste Veranstaltung der Berliner Bücherfrauen findet am 13. Mai (auch wieder im Literaturhaus) statt und lockt mit dem Titel: „Ausgetretene Pfade verlassen – den Neustart wagen“. Ich werde wieder dabei sein und freue mich schon darauf.

Links

  • Seite der BücherFrauen e.V. (link)
  • Terminübersicht der BücherFrauen (link)
  • Termine der BücherFrauen Berlin (link)
  • Saskia von Hoegen, Literarische Agentur Saskia von Hoegen (Berlin) (link)
  • Gerlinde Moorkamp, Literarischen Agentur Silke Weniger (München) (link)
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